Home not Shelter Stuttgart

Drei Personen befestigen eine bunte Plane auf einer halbrunden Holzkonstruktion auf einem großen Platz mit Gebäuden im Hintergrund
Projektrahmen

Wie können in Nachbarschaften neue Räume für Teilhabe und Begegnung entstehen? Dieser Frage widmete sich die Initiative Home not Shelter! zwischen 2018-2025 in den Stuttgarter Stadtteilen Münster und Hallschlag. Die dafür entwickelten partizipativen Ansätze verbinden Methoden des Social Design mit Praktiken aus der sozialen und interkulturellen Arbeit sowie Ansätzen der lokalen Stadtentwicklung.  

Projekt abgeschlossen 100%
Teilhabe statt Isolation

Die Gesellschaft in Deutschland wird schon seit Jahrzehnten immer diverser. Dazu gehört auch, dass Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland einwandern oder hierher flüchten. Nicht selten werden diese Menschen räumlich isoliert und ihre Fähigkeiten, Bedarfe und Wünsche als wenig relevant für die Entwicklung lokaler Nachbarschaften angesehen. 

In der Konsequenz haben sie keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten, Teilhabe am Sozialraum zu erleben. Häufig fehlt es an Begegnungsmöglichkeiten zwischen neu zugezogenen Menschen und Personen, die schon länger im Stadtteil wohnen. 

Dabei schafft gerade der Sozialraum viele Möglichkeiten für interessensbasierter Interaktionen und kann so zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration* beitragen. Solche Orte gilt es miteinander zu gestalten. Gleichzeitig müssen alle Akteur*innen die nötigen Voraussetzungen schaffendamit diese entstehen können. 

Das ist keine Aufgabe allein für zivilgesellschaftliche Akteur*innen, sondern erfordert eine Zusammenarbeit über verschiedene Sektoren hinweg 

Mehrere Personen sitzen in einem Zelt mit Holzkonstruktion und grüner Bodenfläche, einige tragen blaue T-Shirts.
Vision und Leitlinien des Projekts

Hinter dem siebenjährigen Projekt Home not Shelter! und seinen vielen Aktivitäten stand eine klare Vision:

In Stuttgart Hallschlag und Münster entwickelt sich ein inklusiver Sozialraum als Ort des Miteinanders und der Mitgestaltung. 

Mit Blick auf dieses Ziel verfolgte das Team drei Transformationsstränge: Sozialräumliche Teilhabe, Handlungsgemeinschaften, Transfer. Diese drei Wege zum Ziel waren ein wichtiger Orientierungspunkt für die verschiedenen Aktionen, Events und Forschungsphasen des Projekts.

Sozialräumliche Teilhabe

Der Transformationsstrang zielt darauf ab, allen Menschen im Quartier – insbesondere benachteiligten Gruppen – die Mitgestaltung ihres Lebensumfelds zu ermöglichen und Teilhabebarrieren abzubauen.

Handlungsgemeinschaften

Der Transformationsstrang zielt darauf ab, dass im Quartier neue Gruppen entstehen, in denen Menschen gemeinsam kreative Lösungen für Herausforderungen entwickeln – über Hierarchie-, Sektor- und kulturelle Grenzen hinweg.

Transfer

Der Transformationsstrang zielt darauf ab, die Sozialraumgestaltung zu einer verbreiteten Praxis der lokalen Stadtentwicklung zu machen.

Projektentwicklung

Das Projekt begann mit einer intensiven Recherche- und Analysephase. Nach zahlreichen Interviews, Einblicken in aktuelle Veranstaltungen und räumlichen Analysen entstand eine Sozialraumstudie rund um die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU). Hieraus wurde deutlich, dass die Bewohner*innen kaum Verbindungen zu ihrem Stadtteil hatten und es innerhalb der Unterkunft an nutzbaren Räumen und Mitgestaltungsmöglichkeiten fehlte.

Erste solche Mitgestaltungsmöglichkeiten vor Ort wurden durch die Projekte „Lernraum“ und „Gemeinsam Bänke bauen“ geschaffen. Gleichzeitig baute das Projektteam erste Kooperationen mit Akteur*innen aus den umliegenden Stadtteilen auf. Die Kooperationen und konkreten Interaktionen zwischen Bewohner*innen aus der GU und den angrenzenden Stadtteilen verstärkten sich im Rahmen der Projekte „Stadtteil entdecken“, „Cook’n’Roll“ und den Lernpatenschaften.

Hier entstanden Beziehungen zwischen Ehrenamtlichen und zwischen Bewohner*innen. Darüber hinaus bauten die Beteiligten gemeinsam Barrieren zwischen der GU und den Stadtteilen  ab: Es entstanden verbesserte Zugänge zu Einrichtungen im Quartier sowie Informationsflüsse zu Veranstaltungen und wichtigen Interaktionsorten.

Das Projektteam reflektierte die erprobten Ansätze und Vorgehensweisen regelmäßig und bereitete diese so auf, dass sie nun auch für andere verfügbar sind. Dabei entstanden u.a. ein Fachartikel in der PND, Beiträge auf Konferenzen, ein Manual zu einfachen Workshops  sowie ein Manual zum Habibi Dome.

Zudem erhob das Team zusammen mit weiteren Akteur*innen, Bewohner*innen und Betroffenen immer wieder Bedarfe und initiierte  auf Basis der Daten neue Projekte, bei deren Konzeption auch Betroffene mitwirkten. Ein Beispiel hierfür ist das Ideenlabor, das in die Projekte „Werk-Stadt“ und „Brücken bauen“ mündete. Weitere Projekte, die aus diesen Workshops entstanden sind, sind das Fitness-Mobil und Infopoint Burgi.

Zeitstrahl-Infografik von 2018 bis 2024 mit farblich markierten Transformationssträngen und beschrifteten Projekten und Aktivitäten in ovalen Formen.
Projekteinblicke
ein aus Holz und Planen konstruierter Bau, der an ein Zelt erinnert, steht auf einem großen asphaltierten Platz. In dem Bau sind Familien und spielen, malen und unterhalten sich.

Der Habibi Dome steht für Teilhabe und Dialog – ein Raum, in dem jede*r willkommen ist und eigene Ideen einbringen kann.

Die mobile Holzkonstruktion war zwischen 2020 und 2024 jeden Sommer in einem Stuttgarter Quartier aufgebaut. Ziel war es, verschiedene Menschen und Organisationen unter dem Dome zusammenzubringen, um gemeinsam den nachbarschaftlichen Austausch zu fördern und einen einladenden Raum für Veranstaltungen, Vernetzung, Diskussion und Inklusion zu schaffen. So entstand ein besonderer temporärer Raum, in dem Vorurteile überwunden und vermeintliche Grenzen durchbrochen werden konnten.

Zum Rückblick
Gruppe von Menschen steht vor einer Wand mit zahlreichen Zetteln und Sprechblasen, einige sitzen an einem Tisch mit Getränken und Snacks

Im Jahr 2023 fanden im Rahmen zweier Workshops Treffen zwischen Bewohner*innen der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU) und Stadtteilakteur*innen statt. Ziel war es, Ideen und Lösungen zu entwickeln, wie Verbindungen zwischen Bewohner*innen und den Einrichtungen des Stadtteils geschaffen werden können. Im Vordergrund stand dabei, die Interessen und Fähigkeiten der Bewohner*innen in der Projektentwicklung miteinzubeziehen.

Zu den Workshops
Hand hält Smartphone mit geöffneter Webseite „Deutsch lernen für den Alltag“ vor unscharfem Hintergrund mit Pflanze und Papier.

Im Projekt Brücken bauen wurde deutlich, dass die Bewohner*innen der Gemeinschaftsunterkunft bestehende Angebote oft nicht nutzten, weil ihnen die nötigen Informationen dazu fehlten. Die Handlungsgemeinschaft bestehend aus Bewohner*innen der der GU, Vertreter*innen von Einrichtungen aus dem Stadtteil und dem Projektteam hat gemeinsam den „Info-Point-Burgi“ konzipiert und anschließend umgesetzt.

Der InfoPoint vermittelt Informationen über Veranstaltungen, Kurse und Hilfsmöglichkeiten, sowohl in einer WhatsApp-Community, als auch über eine Pinnwand.  Außerdem werden die Informationen so aufbereitet, dass alle wichtigen Angaben leicht verständlich sind.

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Kinder spielen auf einem kleinen Trampolin und auf dem Boden vor einem Wohngebäude mit orangenen Treppen, während Erwachsene sich unter einem blauen Pavillon und neben einem weißen Van mit der Aufschrift „FREE FIT MOBIL“ aufhalten

Im Projekt Brücken bauen wurde deutlich, dass es hilft, wenn Einrichtungen auch Angebote direkt in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU) durchführen. Dafür eignen sich Sport-Angebote sehr gut. Die Teilnehmenden haben gemeinsam das Projekt „Fitness-Mobil“ konzipiert und anschließend umgesetzt.

Das Jugendhaus kommt mit dem Fitness-Mobil einmal im Monat in die GU und bietet dort die Möglichkeit, verschiedene Sportarten auszuprobieren. Außerdem beteiligen sich Ehrenamtliche und Bewohner*innen der GU an der Umsetzung.

 

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Gruppe von Menschen steht vor einer Wand mit vielen Zetteln und Notizen, einige Personen zeigen auf die Wand

Was ist gut im eigenen Stadtteil? Was kann noch besser werden? Welche Ideen haben Anwohnende? Im Oktober 2021 wollte das Projektteam im Ideenlabor einen besseren Einblick darin bekommen, was die Menschen vor Ort von einem lebenswerten Stadtteil erwarten.

Über 50 gesammelten Ideen kamen auf die Liste. In einem darauffolgenden Workshop fassten Anwohner*innen, Vertreter*innen der Stadt und weitere Akteur*innen aus dem Hallschlag die Impulse zusammen und entwickelten sie weiter. Die  Idee, gemeinsam Stadtteilmöbel für den Hallschlag zu bauen, wurde schließlich durch das Projekt „Werk-Stadt“ realisiert.

 

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Mehrere Personen stehen und arbeiten an Tischen und einer aus Holzpaletten gebauten Konstruktion vor einem Wohnhaus mit weißen Fensterläden.

Zeit im Stadtteil verbringen, im Sommer draußen sitzen, sich mit Nachbar*innen unterhalten – diese Themen haben viele Leute bei einem  Ideen-Labor bewegt. In Kooperation mit der SWSG haben daraufhin Bewohner*innen des SWSG-Geländes im Projekt Werk-Stadt zusammen mit dem Projektteam Möbel für den Außenbereich der Häuser gebaut. Neben vielen kleinen Projekten realisierten die Teilnehmenden gemeinsam zwei große Sitzbänke mit integriertem Kräuterbeet.

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Zwei Personen sägen und halten Holzbretter auf einem Stapel aus Holzpaletten im Freien

Gemeinsam Bänke Bauen

Der Außenraum in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU) bietet wenig Aufenthaltsqualitäten. Gemeinsam mit den Bewohner*innen untersuchte das Projektteam, welche Maßnahme die Aufenthaltsqualität verbessern kann – und gleichzeitig auch rechtlich umsetzbar ist. Das Ergebnis: Zwei Sitzbänke, die das Projektteam zusammen mit Bewohner*innen und Besucher*innen  während des Sommerfestes in der Gemeinschaftsunterkunft im Rahmen eines Bau-Workshop baute und aufstellte.

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Person sitzt an einem Schreibtisch vor einem Laptop mit einer Videokonferenz, auf dem Bildschirm ist eine Person mit orangefarbenem Kreis zum Anonymisieren vor dem Gesicht zu sehen

Unter den Schulschließungen in der Corona Pandemie litten besonders marginalisierte Kinder und Jugendliche. Neben den strukturellen Problemen (kein Internet in Gemeinschaftsunterkünften, kein Zugang zu Laptops für den Video-Unterricht, keine ruhigen Räume) mangelte es auch an persönlicher und individueller Förderung. Viele Eltern haben das deutsche Schulsystem nie besucht – und können ihre Kinder kaum unterstützen.

Die Lernpat*innen übernahmen durch wöchentliche Treffen einen Teil dieser Aufgabe. Als Lehramtsstudierende lernten sie dabei viel über die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen. Dabei wurden sie durch monatliche Austauschtreffen mit wechselnden Inputs sowohl vom Projektteam und Kooperationspartner*innen als auch von externen Anbieter*innen begleitet.

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Mehrere Personen in einem Raum greifen gemeinsam nach einem Holzobjekt, im Hintergrund Tische und ein Whiteboard mit Text

In der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete verwandelten Bewohner*innen, Anwohner*innen und Fachkräfte einen ungenutzten Raum mit Hilfe des Projektteams  in einen Lern- und Rückzugsort. In offenen Workshops ermittelten die Beteiligten Bedarfe, entwarfen Möbel und realisierten ihre Pläne in einem partizipativen Bauprozess. Entstanden ist ein Ort für konzentriertes Lernen und selbstbestimmte Nutzung, der soziale Teilhabe und Selbstwirksamkeit fördert. Begleitet wurde das Projekt durch regelmäßige Treffen mit dem Projektteam die die nachhaltige Aneignung des Raums unterstützen.

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Gruppe von Menschen steht um einen hohen Tisch im Freien und bereitet gemeinsam Essen zu.

COOKIN’ROLL ist ein mobiler Koch-Anhänger, in dem Menschen aus der Nachbarschaft gemeinsam kochen und essen können. Die mobile Küche hat das Projektteam in Stuttgart Münster besucht. An zwei Tagen wurde eifrig geschnippelt, gerührt und Hand in Hand ein leckeres Essen zubereitet. Der erste Abend fand vor der Gemeinschaftsunterkunft statt, der zweite vor dem Bürgersaal Münster. Viele Menschen haben dort zusammen gekocht und sich über das Leben in der Stadt ausgetauscht.

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Wirkungen

Das Projekt Home not Shelter! konnte gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen dazu beitragen, dass der Sozialraum im Projektgebiet inklusiver wurde. Vor allem Menschen, die sonst eher marginalisiert werden, konnten mehr am Sozialraum teilhaben und ihre Nachbarschaft mitgestalten. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Durchführung einzelner Maßnahmen, sondern die langfristige Veränderung von Beziehungen, Zugängen und Strukturen im Stadtteil.

Wie das Projekt über die Jahre hinweg auf verschiedene Weise wirkte und welche Verstetigungen es längerfristig erzielen konnte, beschreiben unsere Wirkungsstories.

Mehrere Kinder sitzen auf einer karierten Decke und setzen ein großes, buntes Puzzle mit Landkarten zusammen

Zu Beginn des Projekts Home not Shelter! bestand zwischen der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU) in Stuttgart-Münster und dem umliegenden Stadtteil kaum Austausch. Viele Bewohnerinnen kannten weder Angebote noch Orte im Stadtteil. Gleichzeitig fanden Akteur*innen vor Ort nur schwer Zugang zur GU. Das soziale Miteinander blieb begrenzt – auf beiden Seiten.

Im Projektverlauf entwickelte das Team gezielt Formate, um diese Trennung zu überwinden. Im Projekt „Stadtteil Entdecken“ begleitete das Projektteam zusammen mit dem Jugendmigrationsdienst im Quartier der AWO Stuttgart Kinder und Jugendliche regelmäßig zu Einrichtungen wie dem Aktivspielplatz oder dem Jugendhaus. Dadurch entstand nicht nur ein niederschwelliger Zugang zu bestehenden Angeboten, sondern auch ein Raum für Begegnung auf Augenhöhe. Die Einrichtungen konnten ihre Angebote stärker an den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen aus der GU ausrichten.

Dieser Ansatz wurde auf weitere Projekte wie den Habibi Dome oder „Brücken Bauen“ übertragen. Parallel wuchs das Engagement einzelner Bewohner*innen, die sich zunehmend selbst als Mitgestaltende einbrachten – in Workshops, bei Veranstaltungen oder durch eigene Ideen. Dadurch wurden ihre Interessen im Stadtteil sichtbarer, neue Kontakte entstanden – oft über das Projekt hinaus.

Auch auf struktureller Ebene wurden mehr Verbindungen geschaffen: Mitarbeitende der GU vernetzten sich mit lokalen Einrichtungen, Kooperationsstrukturen entstanden. Gemeinsame Projekte, regelmäßiger Austausch und neue Synergien prägen nun das nachbarschaftliche Miteinander.

Ein zentrales Ziel von Home not Shelter! war es, gemeinsam mit lokalen Akteur*innen Lösungen zu entwickeln, die auch nach Projektende tragfähig bleiben. Dieses Ziel wurde in mehreren Bereichen erreicht: Fünf Projekte – der Lernraum, Lernpatenschaften, das Fitmobil, der Info-Point Burgi und der Habibi Dome – konnten ganz oder teilweise verstetigt werden. Sie wurden von Partnerorganisationen übernommen und weiterentwickelt. Dabei blieben die zentralen Anliegen – sozialräumliche Teilhabe, Partizipation und lokale Verankerung – erhalten.

Grundlage dafür war die enge Zusammenarbeit in sogenannten Handlungsgemeinschaften. In diesen organisationsübergreifenden Teams wurden Konzepte gemeinschaftlich entwickelt, erprobt und angepasst. Ein Beispiel hierfür ist der Habibi Dome, der von Beginn an in Kooperation mit dem Jugendmigrationsdienst im Quartier der AWO Stuttgart (JMD) entstand. Nach drei Jahren intensiver Zusammenarbeit übernahm der JMD die Federführung. So konnte der Habibi Dome im Jahr 2025 zum 6. Mal in Folge stattfinden – dieses Mal ohne Home not Shelter!. Möglich wurde das durch ein stabiles Netzwerk, geteiltes Erfahrungswissen und ein vertrauensvolles Miteinander. Inhaltlich passten die Veranstalter*innen das Format leicht an, der zentrale Ansatz blieb jedoch bestehen.

Deutlich wurde: Projekte lassen sich dort gut verstetigen, wo Aufwand, Strukturen und Ressourcen im Gleichgewicht stehen. Eine Herausforderung blieb die begrenzte Zeit vieler Beteiligter für stadtteilübergreifende Prozesse.

Ein zentrales Anliegen von Home not Shelter! war es, marginalisierte Menschen nicht nur mitzudenken, sondern sie als aktiv Mitgestaltende in Projekte einzubeziehen. Diese Individuen und Gruppen haben oft strukturell weniger Teilhabemöglichkeiten und werden aus der Mitgestaltung des Stadtteils aktiv oder passiv ausgeschlossen. Es ist gelungen, in fast allen Projekten Menschen einzubeziehen, deren Perspektiven sonst selten Raum finden.

Die Geschichten dahinter sind vielfältig: Jugendliche, die zunächst Teilnehmende waren, wurden später selbst aktiv, unterstützten Projekte ehrenamtlich oder entwickelten eigene Ideen mit. Andere brachten konkrete Bedarfe ein – etwa den Wunsch nach einem Sprachcafé oder Bewegungsangeboten – die dann gemeinsam in Projektteams umgesetzt wurden. Manchen gelang durch ihre Mitwirkung ein erster Zugang zu sozialen Räumen im Stadtteil – mit spürbarer Wirkung auf ihren Alltag.

Damit das gelingen konnte, wurden neue Zugänge geschaffen: über einfache Sprache, verlässliche Beziehungsarbeit, und durch Umverteilung von Ressourcen. So investierten einzelne Einrichtungen gezielt mehr Zeit in schwer erreichbare Zielgruppen oder ermöglichten Ehrenamtspauschalen für projektbezogene Mitarbeit.

Dieser Ansatz hat nicht nur zur Mitgestaltung von Projekten geführt, sondern auch dazu, dass sich Menschen als wirksam erlebt haben – und ihre Stimmen in lokalen Diskursen gehört wurden. Eine Wirkung, die über die Projekte hinausreicht.

Im Verlauf von Home not Shelter! ist ein tragfähiges Netzwerk auf lokaler, stadtweiter und überregionaler Ebene entstanden. Durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Kontakte und aktive Teilnahme an Vernetzungsformaten wurden immer mehr Menschen und Organisationen eingebunden. Diese Verbindungen halfen dabei, Projektansätze zu verstetigen und vor Ort konkret umzusetzen.

Ein besonders sichtbares Beispiel ist der Habibi Dome. Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der Teilnehmenden pro Veranstaltung um über 75 Prozent. Gleichzeitig wuchs die Zahl der beteiligten Organisationen auf über 30. Diese breite Beteiligung führte zu einem intensiven Austausch unter den Beteiligten über Methoden, Ansätze und Formate. Einige Organisationen übernahmen erfolgreiche Ideen für eigene Projekte – etwa im Umgang mit Ehrenamtspauschalen, der Gestaltung offener Angebote oder der Ansprache marginalisierter Gruppen.

Auch politische und verwaltungsnahe Akteur*innen wurden auf das Projekt aufmerksam. Sie erfuhren von den Anliegen aus erster Hand, auch wenn unklar bleibt, ob diese politischen Einfluss hatten.

Was bleibt, ist ein aktives Netzwerk engagierter Menschen und Organisationen, die über gemeinsame Interessen verbunden sind, voneinander lernen und gemeinsam handeln – oft über die Grenzen einzelner Sektoren hinweg. Dieses Netzwerk bildet eine stabile Grundlage für zukünftige Kooperationen im Stadtteil und darüber hinaus.

Partner*innen

Für die breite Unterstützung und die gemeinsame Gestaltung wirkungsvoller Ansätze ist das Projektteam sehr dankbar. Besonderer Dank geht an die Organisationen: 

Jugendmigrationsdienst im Quartier der Awo Stuttgart | Malteser Hilfsdienst e.V. | Stadt Stuttgart (Abteilung Integrationspolitik; Ableitung Stuttgarter Bildungspartnerschaft, Stadtplanungsamt) | Bezirksamt Münster | Habibi Dome | Eva Stuttgart | Soziale Stadt Hallschlag | Soziale Stadt Stuttgart Münster | Stadtteilhaus Hallschlag | Römerkastelle Stuttgart | SWSG | Jugendhaus Hallschlag | Aktivspielplatz Hallschlag | Mauga Nescht | Mobile Jugendarbeit | Kafem | Mobifant | AfroKids | Werkstatthaus | Co Exist | Lernort Geschichte | Neue Arbeit | Joblinge | Saliha Soylu | Freesouls  Studio |  |  | Wir ernten was wir säen | Feierabendkollektiv | Legal Café | Und viele mehr!

Publikationen
Holzkonstruktion mit Balken und Sitzbänken vor Häusern unter blauem Himmel mit Wolken, darüber ein violett-gelbes Schild mit dem Text „How to habibi dome Erfahrungen und Erkenntnisse aus einer Intervention im Stadtraum“ und darunter der Hinweis „Ein Projekt des social design lab & jmd Jugend Migrations Dienst“

Jedes Jahr haben wir wertvolle Erkenntnisse gewonnen, wie der Habibi Dome als partizipatives Stadtteilprojekt funktionieren kann – und den Menschen im Quartier Nutzen bringt. In dem Handbuch „How to Habibi Dome“ haben wir dieses Wissen zusammengefasst. Praxisorientiert erklärt das Manual „How to Habibi Dome“, was bei der Projektplanung, der Gestaltung des Ortes sowie der Kommunikation und Kooperation zu beachten ist. Unsere bisherigen Projekte dienen dabei als anschauliche Beispiele, die inspirieren und dabei helfen sollen, den Habibi Dome an neuen und ganz unterschiedlichen Orten zu realisieren.

Zum Manual
Grafik mit einem stilisierten Herz in einem Sprechblasenrahmen und dem Text „Projekte gemeinsam gestalten – einfache Workshops und Ideenentwicklung // Workshopdokumentation“

Das Manual „Projekte gemeinsam gestalten – einfache Workshops und Ideenentwicklung“ zeigt, wie Workshops einfacher und zugänglicher gestaltet werden können. Es bietet Anregungen für die gemeinsame Ideenentwicklung mit einfachen Methoden und einem niedrigschwelligen Ansatz.

Zum Manual
Große offene Holzkonstruktion auf einem Parkplatz mit Betonfundamenten und Leiter bei bewölktem Himmel. Darunter im Bild das Textlogo des social design lab

Sozialraumgestaltung ist ein neuer Ansatz in Forschung und Praxis, der darauf abzielt, Ausgrenzung und Trennung in Städten zu überwinden. Die Publikation „Sozialraumgestaltung – Design- und innovationsorientierte Transformation urbaner Räume“ stellt das Konzept theoretisch vor und zeigt anhand eines Teilprojekts von Home not Shelter!, wie diese Arbeit in der Praxis aussieht.

Zur Publikation
Ansprechpartnerin

Marlene Franck

Projektmitarbeiterin

Textlogo Home not Shelter!