Markt² Schwaben macht sich 2.0 // Ideation und Konzeptphase

Eine Gruppe Studierender der Technischen Universität München (Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Entwerfen und Holzbau) arbeitet an der lokalen Entwicklung einer Gemeindebank nach zirkulären Prinzipien. Ziel des Projekts Markt² Schwaben macht sich 2.0 ist, zirkuläre Produktsysteme lokal greifbar und erfahrbar zu machen. Dies wird am Beispiel von Stadtraummöbeln gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Wertstoffhof Markt Schwaben wurden in diesem Teilprozess neben Konzepten für einen ersten Prototypen einer Gemeindebank auch robuste Abläufe zur Produktion einer Gemeindebank nach zirkulären Kriterien entwickelt und vorbereitet. Dafür kamen die Studierenden immer wieder mit Stakeholdern aus der Gemeinde Markt Schwaben und des dort ansässigen Wertstoffhofs zusammen, um Wissen lokaler Experten zu sammeln und den Produktionsprozess an Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Mitarbeiter*innen der Hans-Sauer-Stiftung sowie die beiden Dozierenden am Lehrstuhl für Entwerfen und Holzbau Anne Carina Völkel und Hubert Anneser gestalteten den Prozess.  

 

IDEATION SESSION- IDEEN SAMMELN

Nach einem Kick-Off-Termin mit allen Beteiligten am 12. Februar 2020 recherchierten die Studierenden am Wertstoffhof in Markt Schwaben: Relevant war hierbei, wie viel Altholz und sonstige interessante Materialien an den Wertstoffhof gelangen, wie sie aktuell gesammelt oder weiterverwertet werden und wie viele Leute üblicherweise kommen. Die Hans Sauer Stiftung erarbeitete Wissen über zirkuläre Rahmenbedingungen für die Produktion einer Gemeindebank. Zunächst teilten alle Teilnehmenden das jeweilig gesammelte Wissen mit allenGemeinsam wurden dann punktuell Ideen in wechselnden Teams gesammelt und durch gegenseitigen Austausch weiterentwickelt. Anhand eines „Ideen Portfolios“ wurden die Ideen für alle übersichtlich gemacht. Auf dem Boden wurden mit Kreppband die zwei großen Achsen „Umsetzbarkeit” und „Zirkularität” aufgeklebt und die Ideen darin entsprechend angeordnet. So konnte ein Überblick über alle Ideen geschaffen und diese zur Weiterarbeit sinnvoll geclusterewerden.

 

Fotos: Hans Sauer Stiftung

CORONA UND REMOTE-ARBEIT

Kurz danach kam das Corona-Virus endgültig nach Deutschland, was weitere physische Treffen erstmal unmöglich machte. Ein neuer Modus der Online-Zusammenarbeit war schnell gefunden. Die Studierenden arbeiteten die Aspekte verschiedener Ideen in intensiven Einzelarbeits-Phasen ausWöchentlich wurden die so erarbeiteten Konzepte in mehreren Iterationsschleifen durch gemeinsame Feedback-Momente mit den Dozierenden und dem Design-Team der Stiftung weiterentwickelt. So konnten die Konzepte präzisiert und verdichtet werdenBesonderes Augenmerkt lag dabei auf den zwei Kernnotwendigkeiten für eine zirkulär produzierte Gemeindebank: Einerseits das Design der Gemeindebank selbst, andererseits die notwendigen Abläufe am Wertstoffhof für die serielle  Produktion. 

FEEDBACK VON STAKEHOLDERN – STUDIERENDE & EXPERTEN DISKUTIEREN DIE KONZEPTE 

Der nächste wichtige Meilenstein war ein Feedback-Termin mit Stakeholdern aus den Bereichen lokaler Wertstoffhof, Gemeinde sowie Circular Economy. Diese weitere große Iterationsschleife trug maßgeblich zur Schärfung eines gemeinsamen Entwurfs bei. 
Im Feedbackgespräch wurde die bisherige Arbeit gelobt und wertgeschätzt, was nach mehreren  Iterationsschleifen dabei half, die Identifizierung mit dem Projekt und die eigene Verantwortlichkeit dafür zu stärken. Deniz Ispaylar, Experte für zirkuläres Wirtschaftenbetonte, dass das Konzept der Circular Economy ein sehr schwieriges, komplexes, und vor allem noch neuartiges Thema für alle, auch für führende Konzerne, ist. Selbst diese benötigen Jahre, um zirkuläre Prozessketten aufzubauen.  

Das Feedback der Stakeholder und deren Expertise hat den Entwürfen nötige und relevante Tiefe gebracht. Aselben Tag kamen am Nachmittag die Studierenden, ein Design-Team der Hans Sauer Stiftung und die Dozierenden zusammen und besprachen die überarbeiteten Entwürfe mit dem bisher erhaltenen Feedback.

AUF DEM WEG ZUM GESAMTKONZEPT 

Nach mehreren Tagen Überarbeitung fand am 27. März 2020 die Präsentation der Ergebnisse dieses Teilprozesses statt. Unter Anderem wurden die verschiedenen Entwürfe einer ersten Bewertung nach den Kriterien „Zirkularität“, „Altholz”, „Außenraum“, „Produktion“ und „Designqualität“ unterzogen. Neben den konkreten Entwürfen wurde eine User Journey und ein Kommunikationskonzept ausgearbeitet. 

Notwendige Beteiligungen, Verarbeitungsschritte, Materialien und Strukturen für die lokale Produktion einer Gemeindebank nach zirkulären Kriterien werden dabei immer klarer und konkreter. Am Ende dieser Prozessphase stehen verschiedene Konzepte und relevante Erkenntnisse zum Aufbau eines Produktionsnetzwerks. Dieses Arbeitspaket wird nun in die nächste Prozessphase übertragen. 

AUSBLICK: UND WIE GEHT’S WEITER?

Um die bisher gesammelten Ergebnisse konkret und praktisch umzusetzen, sind drei weitere Phasen vorgesehen.

BAUEN UND TESTEN:  Je Bereich werden einzelne Konzepte ausgewählt und überprüft. Teilaspekte werden ausprobiert und getestet. Am Ende dieser Phase soll ein Servicekonzept, ein Prototyp der Gemeindebank und ein Kommunikationskonzept ausgearbeitet sein. Im Anschluss soll der Prototyp in der Gemeinde Markt Schwaben an einem passenden Ort installiert werden. Durch das Feedback von Nutzer*innen kann dieser weiter überarbeitet werden. 

PRODUKTIONSKETTE AKTIVIEREN UND VOR ORT VERANKEN: Durch praktische Erkenntnisse aus den Produktionsabläufen beim Bau des Prototyps wird eine regionale und zirkuläre Produktion als System aufgebaut. Dies ermöglicht die serielle Produktion der Gemeindebank nach zirkulären Kriterien.  

REFLEXION: Nach den Methoden des social design lab wird der Gesamtprozess einer intensiven Reflexion unterzogen: Welches Wissen wurde dabei generiert? Welche Methoden waren sinnvoll, welche weniger? Was ist weiter notwendig? 

Projektpartner: TU München, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Entwerfen und Holzbau
Lehrbeauftragte: Anne Carina Völkel, Hubert Anneser, Maren Kohaus
Studierende: Ilona Schreibauer, Celina Mandl, Sophie Pichler, Alicia Albrecht, Tom Prante 
Design-Team der Hans Sauer Stiftung: Benedikt Bandtlow, Jenny Gallen, Conor Trawinski, Markus Rupprecht
Stakeholder und Experten: Deniz Ispaylar (Abundance.Home), Florian Oeggl (Wertstoffhof Markt Schwaben), Uwe Schuerch (anderwerk GmbH), Tobias Ziegler (Ziegler Metallbau), Richard Purschke (Bauhof Markt Schwaben), Bernhard Stiegler  (Bauhof Markt Schwaben)

Mehrwerthof Markt² Schwaben

Das social design lab der Hans Sauer Stiftung geht in dem Projekt Mehrwerthof Markt² Schwaben der Frage nach, inwiefern diese Orte auch zu Ausgangspunkten eines veränderten, konsequent an der Schaffung von Kreisläufen orientierten Umgangs mit Ressourcen werden können. Zusammen mit dem Markt Markt Schwaben, der anderwerk GmbH und weiteren Partnern werden in einem partizipativen Ansatz Lösungen gesucht und Transformationswege erprobt.