Interview mit Gerald Beck

G_Beck

Gerald Beck ist seit 2015 Professor für Soziale Innovation und Organsationsentwicklung an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München. Er ist Studiengangsleiter des Studiengangs Management sozialer Innovationen und lehrt im Master Studiengang Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe.

Im Interview spricht er u.a. über die Programmatik der Studiengänge und den Bezug zum (Social) Design.

 

//08.06.2020

Hans Sauer Stiftung:

Herr Beck, sie sind seit 2014 an der Hochschule München tätig und leiten seit 2015 den Bachelorstudiengang Management sozialer Innovationen. Worum geht es bei diesem Studiengang?

Gerald Beck:

Wir bilden Studierende darin aus, soziale Innovationen in unterschiedlichsten Zusammenhängen zu begleiten, zu steuern und zu gestalten.

 

Hans Sauer Stiftung:

Was sind konkrete Inhalte des Studiums?

Gerald Beck:

Der Studiengang ist sehr interdisziplinär angelegt. Die Studierenden erwerben Kompetenzen in den Bereichen Wirtschaft, Soziologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaften. Sie können nach dem Studium z.B. sowohl sozialwissenschaftliche Studien durchführen als auch ein Unternehmen gründen oder kommunale Entwicklungsprozesse begleiten.

 

Hans Sauer Stiftung:

Was ist Ihre Definition von sozialen Innovationen?

Gerald Beck:

Für mich sind soziale Innovationen der Beweis, dass wir die Dinge auch anders machen können. Repair-Cafés zeigen einen anderen Umgang mit Produkten, Solidarische Landwirtschaften beweisen, dass wir Landwirtschaft anders betreiben können, urbane Gärten erzeugen Gemeinschaften und neuen Sinn für Ernährung, Miethäusersyndikate zeigen, dass bezahlbares Wohnen möglich ist. Charakteristisch ist dabei die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen, unternehmerischen öffentlichen Akteuren. Meist geht es dabei um Kooperation anstatt um Konkurrenz, sowie um Praktiken anstatt um Produkte.

 

Hans Sauer Stiftung:

In der Beschreibung des Studiengangs steht, dass die Theorie mit praxisbezogenen Projekten begleitet wird. Was sind das für Projekte?

Gerald Beck:

Studierende haben mehrfach im Studium die Gelegenheit, eigene Projekte zu entwerfen und zu begleiten. Die Themen wechseln von Jahr zu Jahr. Wir arbeiten mit Partnerorganisationen zusammen, z.B. ja auch mit der Hans-Sauer Stiftung im Projekt „Mehrwerthof Markt Schwaben“. Dabei bieten wir z.B. Projekte im den Bereichen Social Entrepreneurship, Nachhaltigkeit, Stadt- und Regionalentwicklung und Gemeinwesenentwicklung an.

 

Hans Sauer Stiftung:

Wo landen Ihre Absolventen und Absolventinnen nach dem Studium?

Gerald Beck:

So divers wie die Inhalte des Studiengangs sind auch die Karrieren der Absolvent*innen. Sie arbeiten in Wirtschaftsunternehmen, Kommunen, Innovationsagenturen, NGOs oder gründen auch selbst Unternehmen. Außerdem gibt es einige, die einen Master machen und vielleicht später noch promovieren.

 

Hans Sauer Stiftung:

Inwiefern werden Thematiken des Designs im Studiengang behandelt?

Gerald Beck:

Design ist ab und zu Thema in Diskussionen, gerade wenn es um Konsumprodukte geht. Hier sehen Studierende Design oft eher als Problembeschleuniger denn als Problemlöser. Viele Studierende sind eher wachstumskritisch. Da wird dann schon hinterfragt, was die Rolle von Design ist und in den letzten Jahrzehnten war. Zudem werden Methodenbaukästen wie „Design Thinking“ einerseits erlernt, andererseits deren Tendenz zur wachstums- und konkurrenzorientierter Vereinnahmung kritisch hinterfragt. Gleichzeitig wird das Potential von Kooperationen mit gestaltenden Disziplinen vermittelt und ausprobiert. Denn Gestaltung ist natürlich auch für soziale Innovationen wichtig.

 

Hans Sauer Stiftung:

„Social Design“ wird aktuell mehr und mehr auch außerhalb Design-Kreisen behandelt. Welche Bezüge gibt es zum Studiengang?

Gerald Beck:

Wir sehen Social Design als einen Teilbereich sozialer Innovation. Innovation wird immer vernetzter gedacht, weshalb es wichtig ist, dass unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten. Gestalter*innen haben da genauso ihre Rolle wie Menschen aus anderen Disziplinen oder aus der  Zivilgesellschaft. Der Begriff „Social Design“ wird in der Fachdebatte sehr divers ausgelegt. Das geht von „Design für soziale Arbeit“ bis zu „Design der Gesellschaft“. Am einen Ende ist es sehr kleinteilig und am anderen lauert die Hybris. Wir sollten mehr Respekt vor den Akteuren haben, die soziale Innovationen ohnehin schon voranbringen und diese an den richtigen Stellen so unterstützen, dass Projekte in dauerhafte Prozesse gelangen können und weniger darüber nachdenken, aus dem Nichts in einem Sprint die neue Lösung zu designen, die dann wahnsinnig erfolgreich wird.

 

Hans Sauer Stiftung:

Sie lehren ebenfalls im Master Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe an der Hochschule München. Für welche Zielgruppe ist dieser Master interessant?

Gerald Beck:

Der Master ist für alle interessant, die einen sozialwissenschaftlichen Bachelor gemacht haben und in Zukunft an der Gestaltung von gesellschaftlichen Transformationsprozessen arbeiten möchten.

 

Hans Sauer Stiftung:

Was ist das Ziel dieses Studienganges?

Gerald Beck:

Wir sind davon überzeugt, dass gesellschaftliche Transformation nur gelingen kann, wenn Teilhabechancen gestärkt werden. Der ohnehin schon hohe Bedarf an Expertise für partizipative Prozesse in Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wird in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen. Dafür bilden wir Studierende aus.

 

Hans Sauer Stiftung:

Was sind die Herausforderungen für die Studierenden?

Gerald Beck:

Der inter- und transdisziplinäre Ansatz des Masters führt dazu, dass sich die Zusammenhänge oft erst nach ein paar Wochen im Semester erschließen. Da braucht es vielleicht etwas mehr Vertrauen und Mut als in Masterstudiengängen, die auf ein Thema fokussieren. Aber wir bereiten unsere Studierenden gleich zu Beginn des Studiums darauf vor und sie schätzen dieses Angebot sehr.

 

Hans Sauer Stiftung:

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der beiden Studiengänge?

Gerald Beck:

Weiterhin so engagierte Studierende und vor allen Dingen Absolvent*innen, die auch nach dem Studium an der Transformation zu einer nachhaltigeren und gerechteren Gesellschaft arbeiten können. Um das zu fördern gründet sich gerade ein Netzwerk aus Absolvent*innen mehrerer Studiengänge. Außerdem wünsche ich mir weiterhin interessante Kooperationen mit Praxispartner*innen und vielleicht noch etwas mehr Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb der Hochschule für diese beiden wichtigen und zukunftsweisenden Studiengänge.

 

// Vielen Dank für das Interview.

Interview: Sarah Dost, Hans Sauer Stiftung