Soziale Innovation in Wertstoffhöfen: Offene Werkstätten als Baustein der Kreislaufgesellschaft

Das industrielle Wirtschaftsmodell ist heute weltweit von einem linearen „take-make-waste“ Muster des Ressourcenverbrauchs geprägt. Die dadurch vorherrschenden Lebensstile, die sowohl von Wohlstand und Konsum als auch von Verschwendung geprägt sind, werden kritisch als Wegwerfgesellschaft* bezeichnet. Obwohl die damit einhergehenden gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Probleme in der Öffentlichkeit bekannt sind und bereits diverse Nachhaltigkeitsstrategien bestehen, werden diese oft unzureichend umgesetzt. Die Circular Economy ist eines dieser bekannten Lösungskonzepte, welches bereits seit rund 40 Jahren fortentwickelt wird. Auf verschiedenen Wegen sollen Stoffkreisläufe geschlossen werden, um eine Synergie zwischen Wirtschafts- und Ökosystem zu erzeugen. Mitunter ist die Durchführung jedoch schlecht fassbar und erreicht die Ziele in mehreren relevanten Dimensionen nicht. Unterschiedliche Publikationen stellen hier eine Dominanz wirtschaftlicher Referenzwerte fest und fordern den verstärkten Einbezug von sozialen Belangen in Forschung und Praxis. Der Ansatz der Circular Economy wird zur Circular Society** erweitert. Diesbezüglich zeigen einige Organisationen Potentiale, um soziale Aspekte und zirkuläre Praktiken auf regionaler Ebene anzuregen.

Basierend auf aktueller Literatur untersucht die Bachelorarbeit in einer explorativen Fallstudie die Verbindung von Wertstoffhöfen und Offenen Werkstätten als gesellschaftliche Innovation für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Kreislaufgesellschaft im lokalen Raum. Laufende Forschungsdebatten zu den theoretischen Elementen werden dafür gegenübergestellt und diese miteinander verknüpft. Zur Analyse der Organisationen dient ein zweistufiges Konzept gesellschaftlicher Innovation*** als Grundlage. Dadurch wird eine Betrachtung aus normativer (Stoffkreisläufe, Partizipation, Finanzierung) und prozessualer Perspektive (Diffusion) möglich.

*Heßler, Martina (2013) Wegwerfen. Zum Wandel des Umgangs mit Dingen. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaften: Jg. 2013 (16) S. 253-266.

**Hofmann, Florian; Jaeger-Erben, Melanie; Marwede, Max; Zwiers, Jakob (2018) Circular Economy als Gegenstand einer sozial-ökologischer Transformation? In: Rogall, Holger; Binswanger, Hans-Christoph; Ekardt, Felix; Grothe, Anja; Hasenclever, Wolf-Dieter; Hauchler, Ingomar; Jänicke, Martin; Kollmann, Karl; Michaelis, Nina V.; Nutzinger, Hans G.; Scherhorn, Gerhard (Hrsg.) Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2018/2019. Im Brennpunkt: Zukunft des nachhaltigen Wirtschaftens in der digitalen Welt. Marburg: Metropolis Verlag. S. 217-229.

***Rammert, Werner (2014) Vielfalt der Innovation und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Von der ökonomischen zur gesellschaftstheoretischen Perspektive. In: Löw, Martina (Hrsg.) Vielfalt und Zusammenhalt. Verhandlungen des 36. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bochum und Dortmund 2012. Frankfurt am Main: Campus-Verlag. S. 619–639.

 

Zielsetzung

Durch das Erarbeiten von Bedarfen, Zieldimensionen, Einwirkungsmöglichkeiten sowie Schnittstellen von Wertstoffhöfen und Offenen Werkstätten werden Potentiale ihrer Verbindung für das Entstehen einer lokalen Kreislaufgesellschaft ausgelotet. Auch mögliche Nebenfolgen einer Kooperation finden Beachtung. Die Ergebnisse können als Grundlage für Strategien zum Management entsprechender Innovationsprozesse in lokalen Organisationen und für weiterführende Forschung dienen. Sie sollen eine Inspiration für das Schließen stofflicher Kreisläufe und das gleichzeitige Öffnen dieser Prozesse für die Zivilgesellschaft liefern, um eine sozial-ökologische Transformation auf regionaler Ebene zu unterstützen.

Forschungsfrage

Wie kann das soziale Innovationspotential von Offenen Werkstätten in Verbindung mit Wertstoffhöfen das Entstehen einer lokalen Kreislaufgesellschaft fördern?

Autorin: Stefanie Zapletal

Stefanie Zapletal ist Absolventin des Bachelorstudiengangs Management Sozialer Innovationen. Ihre Bachelorarbeit ist im Rahmen des Projekts „Mehrwerthof Markt² Schwaben“ und dem Themenschwerpunkt „Circular Society“ des social design labs, der Hans Sauer Stiftung entstanden.