Home not Shelter!

Gemeinsam wohnen statt getrennt leben.

Gesellschaftlicher Kontext

Wohnen ist nicht nur eine Frage der Unterbringung, sondern ein Grundrecht, das eng verknüpft ist mit der Frage der sozialen Teilhabe an der Gesellschaft. Dies betrifft insbesondere Menschen, die keine oder nur wenige Möglichkeiten haben, über ihre Wohnsituation selbst zu entscheiden. Davon sind besonders Geflüchtete und Migrant*innen, aber auch andere sozial benachteiligte Menschen betroffen. Architekt*innen und Planer*innen stehen vor der Aufgabe, bestehende Flüchtlings- und Sozialunterkünfte („Shelter“) durch additive Lebens- und Integrationsräume für und mit den betroffenen Menschen zu entwerfen und zu entwickeln, die dem Wandel unserer Städte eine soziale, kulturelle und räumliche Form und Struktur geben.

 

Projektrealisierung

Die Überzeugung, dass an den derzeitigen Zuständen substanziell etwas verändert werden muss, hat im Sommer 2015 die Gründung der Initiative Home not Shelter! motiviert. Diese versucht als Zusammenschluss aus Hochschulen und gemeinnützigen Organisationen der verbreiteten Unterbringungspraxis Modelle und Prototypen eines grundlegend anderen (urbanen) Miteinanders und Wohnens entgegenzusetzen; Modelle, die nicht nur einer segregierenden Sonderunterbringung von Geflüchteten ein Ende bereiten, sondern durch Mischung, Austausch und Kontakt ein diverses Zusammenleben befördern. Home not Shelter! ging und geht es um die Schaffung von Räumen und Orte der Interkulturalität, der Begegnung und der Kommunikation, wie sie für das Miteinander in Städten seit jeher konstitutiv gewesen, in Bezug auf Geflüchtete aber der Ausnahmefall geblieben sind.

Home not Shelter! versucht dabei, komplexen gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Problemen mit Ansätzen und Methoden der Architektur, des Städtebaus und der sozialwissenschaftlichen Forschung zu begegnen: Mit Entwurfsarbeiten, Prototypen und der Erprobung neuer Lösungen sollen exemplarische, reproduzierbare und alternative Formen der Raumproduktion für Integration aufgezeigt werden; um jene Zugänglich- und Durchlässigkeiten zu schaffen, die auf anderem Weg nicht mehr oder in nicht ausreichendem Maße entstehen.

Wichtig ist der Initiative neben den in einer Charta niedergelegten Leitprinzipien ein Social-Design-Ansatz: Damit ist zum einen gemeint, dass gesellschaftliche Fragen und Probleme (und nicht z. B. kommerzielle Interessen) zum Ausgangspunkt gestalterischer Arbeit gemacht werden. Und zum zweiten, dass die Gestaltungs- und Umsetzungsprozesse partizipativ und kollaborativ angelegt sind: Betroffene, Nutzer*innen und sogenannte Stakeholder werden in allen Phasen aktiv und ko-kreativ einbezogen, um damit bereits im Prozess Wirkungen der Projekte anzulegen. Home not Shelter! stellt damit die Frage nach sozialen und auch gesellschaftspolitischen Dimensionen von Gestaltungsprozessen, die neue partizipative Wege gehen und auf diese Weise versuchen, hermetische Sphären unserer Gesellschaft für Teilhabe zu öffnen.

 

Wirkung

Neben zahlreichen Design Build-Prozessen, wie die Gestaltung einer gemischten Wohnunterkunft in Wien (Haus Hawi) oder der Bau eines modularen Plug-Ins für ein erweitertes Angebot an Flüchtlingsunterkünften, laufen mehrere Forschungsprojekte, die, verschiedenen Ansätzen folgend, Fragen nach Migration, Wohnen und Integration nachgehen. Die Ergebnisse der Semesterarbeiten kooperierender Hochschulen und Einblicke in die fortlaufenden Projekte werden auf dem Projektblog veröffentlicht. Zudem entstanden Publikationen im JOVIS Verlag, die die Projekte der Initiative zeigen.

Das Ziel von Home not Shelter! ist es, als Inspiration für Verantwortliche zu wirken, damit in Zukunft Integrations- und Lebensräume jenseits einer bloßen Unterbringung entstehen. Die Initiative möchte außerdem einen wertvollen Diskussionsbeitrag in Form von ausformulierten Lösungsansätzen liefern.