Mehrwerthof Markt² Schwaben

Gesellschaftlicher Kontext

Nach dem Motto „take, make, waste“ werden in unserem gegenwärtigen Wirtschaftssystem Rohstoffe genutzt, Produkte gebraucht bzw. verbraucht und am Ende als Abfall entsorgt. Wertstoffhöfe dienen dabei oft als Endstation für nicht mehr Gewolltes, Kaputtes und Altes – wertvolle Ressourcen landen häufig im Müll, statt in den Kreislauf rückgeführt zu werden. Folgen dessen sind u.a. Ressourcenknappheit, Klimawandel sowie Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzung. Aber auch gesellschaftliche Problematiken wie soziale Ungleichheit und Desintegration sind Konsequenzen heutiger (Wirtschafts-)Strukturen, Denk- und Handlungsmuster.

 

Projektansatz

Als erste lokale Anlaufstelle für Entsorgung und Recycling ist der Wertstoffhof ein zentraler Dreh- und Angelpunkt, dem eine fundamentale Rolle im Übergang zu einer zirkulären Gesellschaft zukommt. Hier setzt das Projekt Mehrwerthof Markt² Schwaben an. Es zielt auf die konsequente Rückführung von Ressourcen ab und will einen sinnstiftenden Ort für nachhaltiges Handeln schaffen. Praktiken des Wiederverwendens, Reparierens, Teilens, Lernens u.v.m. sollen am Mehrwerthof einen Raum finden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Integration und Ermächtigung  sozial benachteiligter Menschen.

Der Mehrwerthof als Knotenpunkt für Nachhaltigkeit soll Motor für gesellschaftliche Veränderung sein, der Diskussionen anstößt, Wissen vermittelt und zum Engagement anregt.

Anlass für die Initiierung des Projekts gab die notwendige Modernisierung des Wertstoffhofs im Markt Markt Schwaben (Beginn Juni 2018). Getragen wird das Projekt von Markt Schwaben, der Hans Sauer Stiftung und der anderwerk GmbH. Letztere wird den Mehrwerthof in Zukunft unter Beschäftigung von Menschen, die sich in Langzeitarbeitslosigkeit befinden, betreiben.

 

Vorgehensweise

Der Mehrwerthof als proaktiver Gestaltungsort lädt Menschen ein, selbst aktiv zu werden. Seit Projektbeginn sind Akteure des öffentlichen Sektors (Verwaltung, Gemeinderat, Ordnungsamt, Bauhof, Abfallwirtschaft) und Vertreter*innen der Sozialwirtschaft am Projekt beteiligt. Unter Einbezug diverser Stakeholder werden Ansätze entwickelt und umgesetzt, die an die lokalen Kontexte angepasst sind. Mit dem Reparaturtag – einem ersten Prototypen im Bereich Reparatur – öffnete sich der Prozess für interessierte Bürger*innen und Menschen, die beim anderwerk Beschäftigung finden. Der Prozess profitiert außerdem von Kooperationen mit lokalen Handwerksbetrieben und Bildungseinrichtungen. Weitere Prototypen, zu den Bereichen Sharing, Bildung etc. sind bereits in Planung.  Die Hochschule München und die Technische Universität München begleiten das Projekt auf wissenschaftlicher Basis.

Die Übertragung des lokalen Piloten auf andere Gemeinden ist denkbar.